Kategorie: Blickpunkt
„Solidarität mit den Schwachen darf nicht verloren gehen!“
Aufruf der Kirchen und ihrer sozialen Einrichtungen
100 Tage nachdem die erste Vesperkirche in Ludwigsburg ihre Pforten schloss, veröffentlichen verschiedene kirchliche Kooperationspartner einen Aufruf. „Solidarität mit den Schwachen droht als Grundgedanke
unseres Gemeinwesens verloren zu gehen.“, so die Befürchtung der Initiatoren. In den Angeboten der kirchlich-sozialen Einrichtungen in
Ludwigsburg ist die Not der von Armut Betroffenen tagtäglich präsent.
Mit dem vorliegenden Aufruf gehen die kirchlichen Akteure über ihre vielfältigen Hilfsangebote weit hinaus. Sie verfolgen zwei
Zielrichtungen. Zunächst stellen Sie mit einem kritischen Blick fest, dass Armut in den Kirchengemeinden kaum präsent ist. Sie ermuntern daher Kirchengemeinden ihre Angebote zu überprüfen, ob sie auch für arme Menschen einladend sind. Sie setzen bei der Armutsbekämpfung auf mehr Zusammenarbeit aller Einrichtungen der Kirchen. „Wir brauchen uns gegenseitig.“, so der Aufruf.
Der weit überwiegende Teil des Papiers stellt allerdings klar, dass politische Rahmenbedingungen die wesentlichen Stellschrauben darstellen, um Armut effektiv bekämpfen zu können. Ob es die Langzeitarbeitslosen, die Kinder oder alte Menschen sind, die Forderungen sind sehr konkret: Ein Sozialticket für den Öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV) für langzeitarbeitslose und Empfänger von Grundsicherung, eine Erhöhung des Regelsatzes beim Arbeitslosengeld II um die Bildungschancen für Kinder aus armen Familien zu erhöhen, oder die realen Kosten der Unterkunft für ALG II-Empfänger weiter zu übernehmen. Die Pauschalierung dieser Kosten ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehen und würde zu verheerenden Folgen führen, so die Verfasser. „Wir erleben in unseren Einrichtungen vielfältige Formen des Teilens und der Solidarität, aber an einer gerechteren Verteilung – auch der gesellschaftlichen Lasten kommen wir nicht vorbei!“
Der vorliegende Aufruf macht eines ganz deutlich: Die Vesperkirche war kein Event, nach dem alles vorbei ist. Die beteiligten kirchlich-sozialen Einrichtungen werden weiterhin für von Armut Betroffene da sein. Sie wollen aber auch als Anwalt für diese Menschen dran bleiben, deren Stimme oftmals nicht gehört wird. Sie regen an das vorgelegte Papier breit zu diskutieren.
Am Aufruf „Teilhabe und Teilen“ sind beteiligt:
Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz
Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM) Ludwigsburg e.V.
Diakonischer Bezirksausschuss des Evangelischen Kirchenbezirks
Ludwigsburg
Karlshöhe Ludwigsburg
Katholische Kirche im Dekanat Ludwigsburg
Wohnungslosenhilfe im Landkreis Ludwigsburg e.V.
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